Altersgerechtes Wohnen: Vorausschauend bauen, selbstständig leben
Altersgerechtes Bauen bedeutet nicht, auf Komfort oder Gestaltung zu verzichten. Im Gegenteil: Wer frühzeitig an Sicherheit, Bewegungsfreiheit und einfache Nutzung denkt, schafft Wohnräume, die langfristig funktionieren und ein selbstständiges Leben ermöglichen. Viele Massnahmen lassen sich bereits in der Planung berücksichtigen, andere können bei Bedarf nachträglich ergänzt werden.
Fix verbaute Lösungen: Sicherheit von Anfang an mitdenken
Viele wichtige Elemente des altersgerechten Bauens lassen sich am besten von Anfang an einplanen.
Bodenebene Duschen
Eine schwellenlose Dusche erleichtert den Einstieg und reduziert das Sturzrisiko. Dabei ist nicht nur die Höhe entscheidend, sondern auch die Duschfläche. Eine grosszügige Duschbreite ermöglicht Bewegungsfreiheit und gegebenenfalls auch Unterstützung durch Hilfsmittel.
Rutschhemmende Bodenbeläge
Rutschhemmungen sind besonders in Nassbereichen wie Bad und Dusche wichtig, aber auch in Küche oder Eingangsbereich sinnvoll. Sie erhöhen die Sicherheit, ohne die Optik zu beeinträchtigen.
Türschwellen vermeiden
Schwellen sollten, wenn möglich, ganz weggelassen oder stark reduziert werden. Übergänge zwischen Räumen sollten eben und gut begehbar sein.
Ergonomische Arbeitshöhen
Angepasste Arbeitshöhen in Küche, Bad und Waschküche erleichtern alltägliche Tätigkeiten und schonen Rücken und Gelenke. Eine gute Planung berücksichtigt Körpergrösse, Beweglichkeit und mögliche spätere Einschränkungen.
Bewegungsflächen und Durchgänge richtig planen
Altersgerechtes Wohnen bedeutet auch, genügend Platz für Bewegung einzuplanen.
Wichtige Richtwerte:
- Durchgangsbreite für Rollatoren mindestens 80 Zentimeter
- Durchgangsbreite für Rollstühle mindestens 90 Zentimeter
- Ausreichende Wendeflächen in zentralen Bereichen wie Bad, Schlafzimmer und Küche
Dabei gilt: Durchgänge sind nicht nur Türen. Auch Zwischenräume bei Möbeln müssen berücksichtigt werden. Fragen wie „Wie komme ich bequem zu meinem Bett?“ oder „Wo kann ich den Rollator abstellen?“ sind entscheidend für einen funktionierenden Grundriss.
Abbildungen aus: Neufert Bauentwurfslehre, 44. Auflage, eigene Aufnahme
Nachträglich ergänzbare Massnahmen
Nicht alle Anforderungen müssen sofort umgesetzt werden. Viele Lösungen lassen sich bei Bedarf nachrüsten, wenn sie in der Planung mitgedacht wurden.
Dazu gehören:
- Treppenlifte
- Haltegriffe im Bad oder WC
- Handläufe entlang von Wänden oder Treppen
- Sitzmöglichkeiten in Dusche, Flur oder Eingangsbereich
- Duschklosett für eine einfache Handhabung der Intimhygiene
- Rauchwarnmelder und Notrufknöpfe können frühzeitig Warnen und bei Notfällen unterstützen
Wer frühzeitig stabile Wände, ausreichende Platzverhältnisse und geeignete Leitungsführungen einplant, kann solche Elemente später unkompliziert ergänzen.
Sturzgefahren erkennen und vermeiden
Eine der grössten Gefahren im Alltag sind Stolperstellen. Mit zunehmendem Alter werden Gleichgewicht, Sehkraft und Reaktionsfähigkeit oft eingeschränkt, weshalb kleine Hindernisse grosse Auswirkungen haben können.
Neben den Erwähnten sind weitere Gefahrenquellen:
- lose Teppiche oder Kabel
- herumliegende Objekte, als Stolperfalle oder Risiko durch Bücken
- Ungenügende Beleuchtung der Gehwege
- herumrennende Tiere oder Kleinkinder – wogegen sich aber nicht viel machen lässt 😉
Bereits kleine Anpassungen können das Unfallrisiko deutlich reduzieren und für mehr Sicherheit im Alltag sorgen.
Fazit
Altersgerechtes Bauen ist eine Investition in die Zukunft. Es schafft Sicherheit, Komfort und Unabhängigkeit. Durch vorausschauende Planung lassen sich viele Barrieren vermeiden und Wohnräume schaffen, die flexibel auf veränderte Bedürfnisse reagieren können.






